Ausgedruckt von http://www.uckermark.city-map.de/city/db/081803084400/der-wahnsinnige-mit-der-zwiebel
Der Wahnsinnige mit der Zwiebel
Bildurheber: Frank Preuß
Geht man von Schönfeld in südliche Richtung, findet man unterhalb des Galgenberges ein großes Hünengrab.
An dieser Stelle sammelten sich seit uralten Zeiten weise Frauen, um Kraft aus den Gestirnen zu sammeln. Da sich die Weiber zu Konventen zusammenschlossen, die nicht mehr als dreizehn Mitglieder hatten, blieben diese Treffen lange Zeit unbeobachtet.
Meist wurden sie zu nächtlicher Stunde abgehalten. Obwohl getaufte Heiden, feierten sie weiterhin ihre heidnischen Feste.
Auf dieses Vergehen hatte die Kirche die Todesstrafe durch Ertränken verhangen. So kleideten sie sich in schwarze Umhänge, um möglichst unauffällig an ihre geheimen Treffpunkte zu gelangen.
Einmal im Jahr, zu Beltane, wurde im Süden des magischen Kreises ein Feuer entfacht. Ein junger Bauer machte sich neugierig auf den Weg, um zu sehen, was dort mitten auf dem Acker leuchtete. Langsam kroch er an den Platz und konnte beobachten, wie die Weiber sich im Kreise einen Trank reichten, der alles Wissen und Begreifen vermittelt. Nachdem das Ritual beendet war, sprangen die Weiber kreischend durch's Feuer - als glückbringenden Akt der Reinigung - und öffneten ihren magischen Kreis. Da lief eine Katze auf den jungen Mann zu und kratzte ihm die Augen aus.
Die Schreie der Weiber hörte man weit über das Land, und der Schein des Feuers soll bis nach Pasewalk geleuchtet haben. Der junge Bauer kehrte nach Wochen vom Wahnsinn besessen in sein Dorf zurück und erzählte unverständliche Dinge über seine Erlebnisse. Eines war besonders auffällig. Hörte er ein junges Mädchen nahen, biss er in eine Zwiebel, die er immer bei sich trug, und fing bitterlich an zu weinen. Die Bauern machten seither einen großen Bogen um dieses Areal. Es ward niemandem - auch bei Tage nicht - geheuer, über diese Flächen zu gehen.
In unserer Zeit ist das Gelände als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Steht man zu nächtlicher Stunde auf dem hohen Stein, durchfährt einen noch jetzt ein Schauer von Kraft.
Bildurheber: Schibri-Verlag Aus: Teufelssteine
Unheimliche Geschichten von den Ufern des kleinen Flusses Ucker.
Mit kleinem Lexikon mystischer Symbolik.
Herausgegeben von Arkadien e.V.
Schibri-Verlag, 1997, 110 Seiten
ISBN 3-928878-68-9, 9,80 Euro
12x18,5 cm, schwarzer Pappeinband
Diese Zusammenstellung Sagen der Uckermark über Dämonen, Teufelssteine und wunderliche Leute spiegelt authentisch nacherzählt einen Teil des großen Sagenschatzes der Region wider. Sie sollen dem Leser nicht nur einen wolllüstigen Schauer über den Rücken jagen, sondern dazu beitragen, ein wertvolles geistiges Gut zu bewahren und vor allen Dingen, einem breiten Leserkreis die landschaftlich abwechslungsreiche Region näher zu bringen. Ein Ortsverzeichnis ermöglicht daher die genaue Zuordnung der Sagen zu bestimmten Orten. Ein kleines Lexikon mystischer Symbolik dient zur Wissenserweiterung.
Weitere Informationen
Quellenangabe:
F.Preuß UM
